Zustiftungen

Zustiftung Kurt Wolff

Es gibt bisher eine Zustiftung. Sie umfasst das Werk des Grafikers Kurt Wolff.


Zustiftung Prof. Kurt Wolff in der Fliedner-Kulturstiftung

Kurt Wolff und die Kaiserswerther Diakonie gehören seit 1949 auf das Engste zusammen.

Im Jauar 1949 hat Kurt Wolff die künstlerische Leitung der Paramentenwerkstatt übernommen und sie über 50 Jahre durch seine wegweisenden Entwürfe geprägt. Als Grafik-Designer mit einem besonderen Schwerpunkt in der Typografie war er Autodidakt. Dabei orientierte er sich anfänglich an dem Werk des Offenbacher Schriftkünstlers Rudolf Koch. Der Fliedner-Kulturstiftung Kaiserswerth wurde bereits 2002 der künstlerische Nachlass von Professor Kurt Wolff zugeführt.

Wer war Kurt Wolff?

geb. 30. März 1916 in Barmen, heute Wuppertal, gest. 12. August 2003 in Düsseldorf-Kaiserswerth
Der Sohn eines Kaufmanns (Bruder des Alttestamentlers Hans Walter Wolff ) besuchte das Barmer Realgymnasium, das er mit der Mittleren Reife verließ, um eine Buchhändlerlehre bei der Buchhandlung Emil Müller zu absolvieren. In dieser Zeit prägten ihn Begegnungen mit der Bekennenden Kirche. Nach Arbeitsdienst und Soldatenzeit im II. Weltkrieg begann er als Autodidakt sich erfolgreich grafisch zu betätigen. Vorlesungen an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal und einige Gastsemester an der Wuppertaler Werkkunstschule begleiteten diesen Neuanfang. Schriftunterricht für Kaiserswerther Diakonissen machten ihn in der damaligen Diakonissenanstalt bekannt, was zu seiner Berufung nach Kaiserswerth führte.

Er betätigte sich auch in der Gestaltung von Kirchenfenstern, erstellte Siegelentwürfe für Kirchengemeinden, gestaltete Buchumschläge und Kalender, Gedenksteine, Grabmäler und Inschriften. Daneben schuf er zahlreiche Werke nach eigenen, freien Entwürfen. Mit seiner besonderen Schriftgrafik wurden die Texte zahlreicher Kalender, die über Jahrzehnte erschienen, gestaltet. 1957 wurde er an die Fachhochschule für Grafik und Design in Düsseldorf berufen mit dem Unterrichtsschwerpunkt Typografie. Von 1960 an war er Fachbereichsleiter (Dekan) und wurde 1975 zum Professor ernannt bis er 1981 emeritiert wurde. Seine klare Schriftsprache, sein spezielles typografisches Design prägte Studierende aus vielen Berufszweigen.

Im Zentrum seines künstlerischen Schaffens standen Auftragsentwürfe für diverse Verlage sowie freie Entwürfe für liturgische Tücher (Paramente) und textile Objekte für den profanen Bereich. Sein unverwechselbarer Entwurfsstil kombinierte vorhandene christliche Symbolik mit einer neuen, elementarisierten Symbolsprache und brachte sie in Verbindung mit strengen grafischen Mustern und Formen und einer markanten Farbgebung.

Dies alles geschah neben der Tätigkeit in der und für die Kaiserswerther Paramentik. Von 1988 bis 2001 war er ordinierter Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Kaiserswerth. In dieser Zeit hielt er Gottesdienste und für den Rundfunk Morgenandachten (WDR, DLF) und verfasste zahlreiche Bücher mit biografischen und theologischen Inhalten. Kurt Wolff war mit Hanna von Scheven verheiratet. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Kaiserswerther Paramentik

Die Besonderheit der Paramentik in Kaiserswerth im gesamten Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, dass sie seit ihrer Gründung eine künstlerische Handschrift trägt, die mit Rudolf Koch  begann und seit 1949 mit Prof. Kurt Wolff in Weiterentwicklung dieser Tradition weit über 50 Jahre verbunden war und ist. Diese Kontinuität der Gestaltung ist singulär innerhalb der heute nur noch wenigen kirchlich-diakonischen Werkstätten.

Der Paramentenkünstler Kurt Wolff

Die künstlerische und liturgische „Sprache“ von Kurt Wolff ist über die Werkstatt hinaus auch für die Zukunft prägend im liturgischen Raum der Evangelischen Kirche. Mit den Paramenten aus der Kaiserswerther Werkstatt wurden und werden Kirchenräume einprägsam gestaltet, nicht nur im Rheinland und in Westfalen (z.B. in der Thomaskirche in Leipzig, aber auch in Palästina, Talitha Kumi). Sie halten ein liturgisches Bewusstsein für den Wechsel der Kirchenjahreszeiten wach. Im Übrigen haben die Entwürfe von Prof. Kurt Wolff und seinen Nachfolgern den Dialog von Kunst und Kirche im Bereich der evangelischen Kirchen nachhaltig gefördert.

Gerade in der Kaiserswerther Paramentik wurde die künstlerische Weiterentwicklung der liturgischen Tücher stark vorangetrieben, wobei die Beziehung zum Raum immer mit bedacht wird. Gestickt wurde seit Anfang der 1950er Jahre mit Leinengarn flach auf teils selbstgewebte Leinentücher, die in Kette und Schuss genau die gleiche Stärke hatten wie das Stickgarn.

Kurt Wolff und seine Entwürfe

Er prägte den Begriff der „seriellen Unikate“. Diese Werke basieren auf Entwürfen, die grundsätzlich für eine Serienproduktion geeignet sind, werden aber nach Größe und Farbe individuell gefertigt. Der auch von ihm geprägte Begriff „Eine Orgel für die Augen“ sollte die künstlerische Bedeutung von liturgischem Tuch hervorheben. Er verfasste auch eine „Kleine Geschichte der Kaiserswerther Paramentik: „Der Augenblick Gottes. Die Werkstatt für Evangelische Paramentik im Diakoniewerk Kaiserswerth. Eine unvollständige Bestandsaufnahme“, veröffentlicht in den Schriften des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland Nr. 14, 1998. Darüber hinaus hat er das Corporate Design für die Kaiserswerther Diakonie gestaltet. Er nahm an der Entwicklung der Kaiserswerther Diakonie bis zu seinem 85. Geburtstag aktiv und kritisch Anteil. Jahrzehnte war er Mitglied im Kirchenchor und im Presbyterium der Anstaltskirchengemeinde.

Trotz eines Schlaganfalls im Jahr 1996 war er bis zum 85. Geburtstag, zu dem die Kaiserswerther Diakonie ihn besonders würdigte, sehr aktiv. Bei der Beerdigung gab auch sein Freund, Bundespräsident Johannes Rau, der ebenfalls aus Barmen stammte und beim selben Verlagsbuchhändler gelernt hatte, durch Anwesenheit und ehrendes Gedenken ihrer langen Verbundenheit Ausdruck.

Sein künstlerische Lebenswerk nebst allen Rechten wurde 2002 durch ihn und die Familie der Fliedner-Kulturstiftung als "Zustiftung" zugeführt. Dort sind auch alle o.g. kalligrafischen und veröffentlichten Werke archiviert und zugänglich. Inzwischen sind der Fliedner-Kulturstiftung auch alle Werkstücke und die Arbeitsgeräte der Paramentik übereignet.  Diese und weitere seiner Arbeiten sind in unserem Museumsbereich zu besichtigen. Nach wie vor werden Paramente nach seinen Entwürfen durch fachkundige Stickerinnen hergestellt.

Sind Sie am Werk Prof. Wolffs näher interessiert? Nach seinen Entwürfen werden auch heute noch durch erfahrene Stickerinnen hochwertige Paramente in Handarbeit gestaltet. Bitte kontaktieren oder besuchen Sie uns.

Fliedner-Kulturstiftung Kaiserswerth
Zeppenheimer Weg 20
40489 Düsseldorf-Kaiserswerth
Telefon 0211.56673-780
Telefax 0211.56673-771
E-Mail: info (at) fliedner-kulturstiftung.de



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