Kaiserswerther Paramentik

Die Werkstatt für evangelische Paramentik und Textile Objekte blickt auf eine beachtliche Tradition zurück. Gegründet wurde sie 1928. Der renommierte Offenbacher Gestalter Prof. Rudolf Koch führte Diakonissen der Kaiserswerther Diakonie in dieses Kunsthandwerk ein. Seitdem bestand und besteht eine enge Verbindung zwischen der Kaiserswerther Schwesternschaft und der Paramentenwerkstatt.


Die Besonderheit der Paramentik in Kaiserswerth im gesamten Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, dass sie seit ihrer Gründung eine künstlerische Handschrift trägt, die mit den Namen Rudolf Koch begann und seit 1949 mit Prof. Kurt Wolff (1916-2003) in Weiterentwicklung dieser Tradition weit über 50 Jahre verbunden war und ist. Diese Kontinuität der Gestaltung ist singulär innerhalb der noch wenigen kirchlich-diakonischen Werkstätten.

Die künstlerische und liturgische „Sprache“ von Kurt Wolff ist über die Werkstatt hinaus auch für die Zukunft prägend im liturgischen Raum der Evangelischen Kirche. Mit den Paramenten aus der Kaiserswerther Werkstatt  wurden und werden Kirchenräume einprägsam gestaltet, nicht nur im Rheinland und in Westfalen (z.B. auch in der Thomaskirche in Leipzig). Sie halten ein liturgisches Bewusstsein für den Wechsel der Kirchenjahreszeiten wach. Im Übrigen haben die Entwürfe von Prof. Kurt  Wolff und seinen Nachfolgern den Dialog von Kunst und Kirche im Bereich der evangelischen Kirchen nachhaltig gefördert.

Gerade in der Kaiserswerther Paramentik wurde die künstlerische Weiterentwicklung der liturgischen Tücher stark forciert, wobei die Beziehung zum Raum immer mit bedacht wird.

Nach der Entdeckung neuer Ausdrucksmöglichkeiten mit gefärbten Garnen in den 70er Jahren, kam die Verwendung von Gold- und Silbergarnen in den 80er Jahren hinzu. In den 90er Jahren wurden Garne mit Metall, Holz Glas und anderen Werkstoffen verknüpft, so dass wiederum neue künstlerische Akzente gesetzt wurden. Daneben wurden und werden neue liturgische Verwendungsmöglichkeiten der alten Techniken ausprobiert aber auch Stücke für nichtkirchliche Zusammenhänge geschaffen, die sich über den so genannten kunstgewerblichen Markt einen Stellenwert im Kunst- und Kultursektor erobert haben, was die jüngsten Ausstellungen (2008) der Paramentik eindrucksvoll belegt haben und aktuell belegen.

2009 wurden die Entwürfe, die Werkstücke und das Inventar der Fliedner-Kulturstiftung Kaiserswerth übertragen. Damit gewann die Paramentik eine neue Nähe zur Tradition, wie sie im Kaiserswerther Verband Deutscher Diakonissenmutterhäuser lebendig weitergeführt wird.

Es ist so weiterhin möglich, über die Fliedner-Kulturstiftung, Paramente und textile Objekte nach Entwürfen von Kurt Wolff in der Tradition der „Werkstatt für textile Objekte und Paramente“ der Kaiserswerther Diakonie zu erwerben.  

Sie kann für die Ausführung kompetente Werkstätten oder Einzelpersonen benennen, die die Entwürfe ausführen dürfen. Derzeit sind das: Stengert & Fröse, Kaiserswerther Paramente, GbR.

 

Altar- und Kanzelbehänge, Paramente

Altardecken, Velen und Weißzeug

Corporale

Ringkissen

Stolen

Taufbänder, Taufkleider

Textiler Sargschmuck

Textile Objekte

Wandbehänge

Liturgische Farben

Variable Paramente

Liturgische Gegenstände nach Entwürfen von Kurt Wolff

Zu sehen sind all diese Werkstücke nicht nur in Kaiserswerth und in vielen Kirchen und Gemeindehäusern der rheinischen Kirche, sondern beispielsweise auch in der Leipziger Thomaskirche oder im Salzburger Diakoniezentrum.

Sämtliche Arbeiten wurden und werden von qualifizierten Stickerinnen individuell und ausschließlich in Handarbeit gefertigt, keines der Objekte gleicht daher trotz desselben Entwurf in allen Details einem anderen; es sind serielle Unikate. Farbvorstellungen und Motivwünsche der Auftraggeber können ebenso berücksichtigt werden wie spezielle Abmessungen. Die Materialien genügen hohen Ansprüchen, was zum Beispiel die Lichtechtheit der Farben betrifft.

Seit vielen Jahren bot die Werkstatt ihre Arbeiten nicht nur für Kirchen an. Längst hat sich erwiesen, dass sich mit ihren textilen Objekten repräsentative Innenräume gestalten lassen. Gerade als Kontrast zu nüchternen Baumaterialien wie Stein, Stahl oder Glas entfalten sie ihre Wirkung.

Die vorgestellten Textilen Objekte werden als "serielle Unikate" bezeichnet, da sie nach einem Grundentwurf als Einzelstücke variiert und in einer geringen Auflage angefertigt werden. Durch einen, verglasten Lackrahmen sind die wertvollen Textilen Objekte geschützt.

Die Entwurfe stammen von Prof. Kurt Wolff, die Stickerinnen führen sie aus. Traditionelles Handwerk verbindet sich auf harmonische Weise mit modernem Design.

Die Sehgewohnheiten haben sich verändert. Nicht allein aus diesem Grund hat die Werkstatt ihre Palette hin zur freien grafischen Gestaltung deutlich erweitert. Die neuen Entwürfe fanden und finden zunehmend Interessenten auch über den kirchlichen Bereich hinaus.

Dazu gehören auch die Angebote zu den Themen Taufe (Taufkleider, Taufbänder, Geburtstücher etc.) und Hochzeit (Ringkissen und Ringbeutel). Darüber hinaus entwickelte die Werkstatt eine würdevolle Sargbedeckung, die in Familien und Gemeinschaften weitergegeben werden kann.

Nicht nur für Gruppen aus Kirchengemeinden stellt die Paramentik einen Anziehungspunkt dar. Nahezu alle Besucherinnen und Besucher lassen sich einfangen von der Faszination dieser immer seltener anzutreffenden Handwerkskunst.



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